Der goldene Toni

•August 25, 2009 • Kommentar schreiben

„Der Skikönig Toni mit der weißen Zipfelmütz steht oben am Start. Er macht sich noch schnell die Schuhbendel zu und dann kann´s auch schon losgehen auf die verwegene Abfahrt ins Tal. Erst einige Schlittschuhschritte um Schwung zu holen, dann die Stöcke fest unter die Arme geklemmt mit Tempo abwärts in den Steilhang hinein. Es geht gleich volle Kanne los. Nächste Rechtskurve und zack mit einem Sprung drüber. Super erwischt. Er fährt aufrecht und scheint gar nicht so schnell zu sein wie er es in Wirklichkeit ist. Oh ist das eisig heute. Nächste Kurve, mit Ach und Krach gerade noch die Ausfahrt erwischt und gut drüber über die Wellen. Er kommt einige Male in die berühmte Rückenlage, kann aber korrigieren. Wie er das macht weiß niemand so genau. Jetzt Schuß, er geht aus der Hocke fast nicht mehr heraus, drückt die Bodenwellen geschickt durch und hält das Tempo. Genau so geht´s. Die Spannung steigt. Schafft´s der Toni? Das Publikum im Ziel jubelt schon. Der Zielhang ist erreicht. Jetzt gibt´s nur noch eins, volle Tube drauf. Sprung. Das waren 40 Meter. Ja bist du narrisch. Wird es reichen? Ja oder nein? Drüber über die Linie. Passt. Und jetzt Toni stürzt, aber es macht nichts, er ist bereits im Ziel.“

Der schwarze Blitz von Kitz war schier unschlagbar. So elegant und stilvoll fuhr kein anderer über die buckeligen Schmelzwiesen durch die Stangerl ins Ziel. Weltmeister und Olympiasieger und zu Recht Österreichs Sportler des Jahrhunderts. Nebenbei noch Schlagersänger und Schauspieler. Der goldene Toni war ein fescher Bursch.

Mit Qual zur Nichtwahl

•August 24, 2009 • Kommentar schreiben

Bald kommt er wieder wie aus dem Nichts um die Ecke gebogen, pünktlich zur nächsten Wahlentscheidung wird er wieder mal für alle sichtbar; der Nichtwähler. Dann fragen sich allesamt zum erneuten Male, was das wohl für ein seltsames Wesen ist, dieser Nichtwähler, und wo dieses demokratische Unkraut eigentlich herkommt. Die meisten werden ihm Desinteresse unterstellen und ihn somit auch gleich verachtend unmissverständlich klar machen, dass es absolut indiskutabel ist sich für diese unsere Demokratie so überhaupt nicht zu interessieren. Diejenigen, die tatsächlich aus mangelndem Interesse an eventuellen Wahlalternativen nicht wählen gehen werden sagen „na und, mir doch egal!“, ein paar werden sich jedoch aus ihrer Verborgenheit hervortreten und behaupten sie würden aus Protest nicht teilnehmen an diesem Spektakel der Machterneuerung. Nein, mit Protestwählern ist kein Geschäft zu machen, die lassen sich nicht benutzten für diesen schmutzigen Sog von Lug und Trug. Sie sehen sich viel lieber in den Statistiken über Politikverdrossenheit und über Unzufriedenheit mit den Parteien und dem gesamten politischen System. Aber lange nicht stellen sie die Mehrheit der Nichtwähler. Vielmehr sind es doch die, die im Grunde mit dem Zustände, die unsere Gesellschaft so bereitstellt, zufrieden sind, und je nach Wahlhierarchie und Wetterlage mal so  mal so wählen oder einfach mal was anderes vorhaben. Sie haben also nicht im Sinn denen da oben eine Abreibung zu verpassen mit ihrer eigenen Passivität. Sie sehen es nur nicht als Notwendig an. Folglich haben wir zum einen den Uninteressierten, der aus reinem politischen Unverständnis und mangelnder Grundkenntnis über die Gesellschaft und das Land in dem er lebt  (sowie wie man überhaupt wählen geht); zum zweiten den Protestler, der die ganze Veranstaltung benutzen will, um gerade an diesem schönen Tag seinem ganzen Frust Ausdruck zu vermitteln, und zum Dritten den der zwar durchaus Ahnung hat und obwohl er einiges zu bemängeln hätte dennoch mit dem überwiegenden Teil voll zufrieden ist und außerdem just zu dieser Zeit andere Ideen verwirklichen möchte. Mit Sicherheit gibt es  noch eine Reihe andere Gründe warum von dem persönlichen Stimmrecht nicht Gebrauch gemacht wird. Aber was ist nun eigentlich die Konsequenz aus den vielen nicht abgegebenen Stimmen? Was sind die tatsächlichen Folgen? Viel und breit wird über die Ursachen und die Hintergründe, bis zu den sozialen Gruppen, die sich dahinter verbergen gesprochen, sogar darüber wie man die Zahl womöglich verringern könnte, aber über die unmittelbaren Folgen für das politische System oder aber auch die Legitimation der Herrschenden hört man doch erstaunlich wenig. Was heißt das wohl für eine Demokratie, wenn irgendwann nur noch knapp ein Drittel wählen geht, wenn sich keiner um sie kümmert? Was macht eigentlich der Nichtwähler, wenn ihm plötzlich von Leuten, die er nicht gewählt hat mitgeteilt wird, dass er nicht mehr wählen darf, dass es gar kein Wahlrecht mehr gibt. Freut er sich? Ich bin nicht sicher.

Das Dilemma mit der Sicherheit…

•Februar 20, 2008 • 2 Kommentare

Das Dilemma mit der Sicherheit…

„Sicherheit erreicht man nicht, indem man Zäune errichtet, Sicherheit gewinnt man, indem man Tore öffnet.“, sagte einst Urho Kekkonen, ehemaliger Staatspräsident von Finnland. Die aktuell andauernde Bedrohungslage durch Terrornetzwerke und fundamentalistische Organisationen macht allerdings das Öffnen bzw. Offenlassen von sämtlichen „Toren“ nicht ganz so einfach. Stattdessen werden Zäune errichtet, um der unbekannten Gefahr entgegenzuwirken. Neue Sicherheitsstrukturen sollen für noch mehr Schutz sorgen. Aber wo bleibt die Freiheit bei soviel Zaun? Für die einen, die die Zäune bauen, wird die Freiheit erst durch diese Zäune gewährleistet, und insbesondere die neuen Zäune bieten noch mehr Freiheit. Also: neuer Zaun -> mehr Sicherheit -> mehr Freiheit. Toll. Viel hilft eben doch viel. Oder vielleicht doch nicht? Oder kann es sein, dass hier nach und nach im Namen der Sicherheit die Freiheit Stück für Stück verzaunt wird. Aber was die Gesellschaft will ist zuallererst mal Sicherheit. Die Beschränkung von Freiheit interessiert nicht solange alles sicher ist. Doch selbst einer der Gründungsväter der größten Zaunbauer überhaupt wusste schon: „wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“

 

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Tschüß….Hans Meyer….

•Februar 13, 2008 • 1 Kommentar

Die Legende lebt, nur hat sie ihr Herz verloren. Hans Meyer, der Mann der die Legende erst wieder zum Leben erweckt hat, musste gehen. Der FCN ohne Hans Meyer? Das klingt so unglaubwürdig, so unrealistisch wie wenn vor einem Jahr jemand bei der UEFA versehentlich Mitte Februar ein Pokalspiel zwischen Lissabon und Nürnberg angesetzt hätte. Tja zu aller Erstaunen gibt es dieses Spiel jetzt tatsächlich, leider jedoch ohne einen Hans Meyer. Bitter.

Aber sein Stern er wird für immer am Fussballhimmel stehen. Und zuallererst wird er am Nürnberger Fussballhimmel stehen, weil Hans Meyer etwas geschafft hat, dass in Nürnberg schon lange keiner mehr ernstgenommen hat. Er hat einen Pokal ins Frankenland gebracht. Unglaublich. Unglaublich. Der sowieso schon stolze Glubberer verspürte plötzlich eine emotionale Bindung zu seinem Verein, die sich auf einem bis dahin unbekanntem Level bewegte. Es war er, Hans Meyer, der uns die wohl beste Zeit bis dato bescherte. Nicht dass der FCN nicht schon vorher Meisterschaften und Pokalsiege feiern durfte, schließlich steht auf der Meisterschale bereits neun Mal und auf dem DFB Pokal jetzt vier Mal Nürnberg eingraviert. Aber dieser letzte Erfolg war schon etwas ganz besonderes. Schade, dass es so ein unwürdiges Ende nehmen musste. Schade, dass es in Zukunft in Nürnberg keine schmunzelnden Spielanalysen und Kommentare gibt a lá: „Wir gehen nachts mit Fackeln in den Wald, damit die Jungs die Angst verlieren.“ Schade, dass man ihm die Möglichkeit verwehrt noch einmal einen Pokal nach Franken zu holen (diesmal einen silbernenen;).

Ein Denkmal hätte er so oder so verdient. Allerdings falls wider erwartend sich zufällig mehrere tausend Glubbfans vorm Frankenstadion treffen sollten und in einer Nacht und Nebel Aktion eine in Stein gemeißelte Statue des Königs vor der Nordkurve errichten, sollte diese schon hoch genung stehen: „damit nicht nach vier bis fünf Spieltagen ein Hund daran pinkelt.“

Danke Hans!

Danke Hans