Das Dilemma mit der Sicherheit…

•Februar 20, 2008 • 1 Kommentar

Das Dilemma mit der Sicherheit…

„Sicherheit erreicht man nicht, indem man Zäune errichtet, Sicherheit gewinnt man, indem man Tore öffnet.“, sagte einst Urho Kekkonen, ehemaliger Staatspräsident von Finnland. Die aktuell andauernde Bedrohungslage durch Terrornetzwerke und fundamentalistische Organisationen macht allerdings das Öffnen bzw. Offenlassen von sämtlichen „Toren“ nicht ganz so einfach. Stattdessen werden Zäune errichtet, um der unbekannten Gefahr entgegenzuwirken. Neue Sicherheitsstrukturen sollen für noch mehr Schutz sorgen. Aber wo bleibt die Freiheit bei soviel Zaun? Für die einen, die die Zäune bauen, wird die Freiheit erst durch diese Zäune gewährleistet, und insbesondere die neuen Zäune bieten noch mehr Freiheit. Also: neuer Zaun -> mehr Sicherheit -> mehr Freiheit. Toll. Viel hilft eben doch viel. Oder vielleicht doch nicht? Oder kann es sein, dass hier nach und nach im Namen der Sicherheit die Freiheit Stück für Stück verzaunt wird. Aber was die Gesellschaft will ist zuallererst mal Sicherheit. Die Beschränkung von Freiheit interessiert nicht solange alles sicher ist. Doch selbst einer der Gründungsväter der größten Zaunbauer überhaupt wusste schon: „wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“

 

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Tschüß….Hans Meyer….

•Februar 13, 2008 • 1 Kommentar

Die Legende lebt, nur hat sie ihr Herz verloren. Hans Meyer, der Mann der die Legende erst wieder zum Leben erweckt hat, musste gehen. Der FCN ohne Hans Meyer? Das klingt so unglaubwürdig, so unrealistisch wie wenn vor einem Jahr jemand bei der UEFA versehentlich Mitte Februar ein Pokalspiel zwischen Lissabon und Nürnberg angesetzt hätte. Tja zu aller Erstaunen gibt es dieses Spiel jetzt tatsächlich, leider jedoch ohne einen Hans Meyer. Bitter.

Aber sein Stern er wird für immer am Fussballhimmel stehen. Und zuallererst wird er am Nürnberger Fussballhimmel stehen, weil Hans Meyer etwas geschafft hat, dass in Nürnberg schon lange keiner mehr ernstgenommen hat. Er hat einen Pokal ins Frankenland gebracht. Unglaublich. Unglaublich. Der sowieso schon stolze Glubberer verspürte plötzlich eine emotionale Bindung zu seinem Verein, die sich auf einem bis dahin unbekanntem Level bewegte. Es war er, Hans Meyer, der uns die wohl beste Zeit bis dato bescherte. Nicht dass der FCN nicht schon vorher Meisterschaften und Pokalsiege feiern durfte, schließlich steht auf der Meisterschale bereits neun Mal und auf dem DFB Pokal jetzt vier Mal Nürnberg eingraviert. Aber dieser letzte Erfolg war schon etwas ganz besonderes. Schade, dass es so ein unwürdiges Ende nehmen musste. Schade, dass es in Zukunft in Nürnberg keine schmunzelnden Spielanalysen und Kommentare gibt a lá: “Wir gehen nachts mit Fackeln in den Wald, damit die Jungs die Angst verlieren.” Schade, dass man ihm die Möglichkeit verwehrt noch einmal einen Pokal nach Franken zu holen (diesmal einen silbernenen;).

Ein Denkmal hätte er so oder so verdient. Allerdings falls wider erwartend sich zufällig mehrere tausend Glubbfans vorm Frankenstadion treffen sollten und in einer Nacht und Nebel Aktion eine in Stein gemeißelte Statue des Königs vor der Nordkurve errichten, sollte diese schon hoch genung stehen: “damit nicht nach vier bis fünf Spieltagen ein Hund daran pinkelt.”

Danke Hans!

Danke Hans

Donde esta…? – Der Anfang einer Reise

•Februar 3, 2008 • Kommentar schreiben

Donde esta … ?

 

 

 

Die Maschine aus Zürich ist bereits am Flughafen Madrid-Barajas gelandet. Der „aeropuerto de Madrid Barajas“ ist der größte Flughafen Spaniens und liegt etwa zwölf Kilometer nordöstlich der Innenstadt von Madrid. Wir befinden uns am bedeutendsten Verbindungsknoten Europas und Südamerikas, was allerdings nicht heißen soll, dass man nicht auch von München über Zürich hierher gelangen kann. Jedoch bringt diese Tatsache automatisch mit sich, dass sich jährlich etwa 50 Millionen Fluggäste hier tummeln und davon geschätzte 45 Millionen aus Südamerika. Als Durchschnitts-Mitteleuropäer bekommt man dadurch nicht das Gefühl nur in ein fernes Land im Süden Europas gelangt zu sein, sondern viel mehr beherrscht einen das Gefühl, dass die kurze aber tiefe Schlafphase im Flugzeug scheinbar doch ein wenig ausgeprägter ausgefallen ist und man durch irgendeinen groben Fehler, an den man sich in diesem Moment nicht mehr so recht erinnern kann und will, plötzlich an einem ziemlich großen Flughafen irgendwo in Südamerika aufgewacht ist. Gedränge, Geschrei in bisher unbekannten Sprachformen sowie wahllos erklingende Geräusche , die wie eine Kreuzung aus Polizei- , Feuerwehr- und Notarztsirenen gemixt mit unzählbaren Handyklingeltönen von Jamba Monatsabos aus Fernost, dominieren das Geschehen. Dieses auditive Wirrwar und die bis dahin immer noch herrschende Unsicherheit über die eventuellen Folgen des übermäßigen Bierkonsums, der durch zahlreiche Verspätungen anderer Maschinen in Zürich ausgelöst wurde, wecken in kürzester Zeit Panik, Agression, Verzweiflung und oder Heimweh. Nebenbei bemerkt gibt es wohl keinen schlechteren internationalen Flughafen um Zeit zu überbrücken als den Züricher. Zu aller erst deswegen weil die Schweizer so langsam und verschlafen sind, dass sie es geschafft haben den Euro immer noch nicht einzuführen. Stattdessen Franken als Zahlungsmittel, was bei jedem gebürtigen Franken eigentlich ein Grund zur Freude sein müsste. Jedoch nicht wenn dabei die Umrechnungskurse so was von undurchschaubar werden, dass man am Ende egal was man kaufen will, ob eine Zeitung, um aus purer Langeweile die noch langweiligeren Schlagzeilen über Schweizer Politikthemen zu überfliegen, oder einfach nur eine Kleinigkeit zum Essen oder Trinken, um in den Abfertigungshallen wenigstens nicht von irgendwelchen drittklassigen allein reisenden Frauen Mitte Ende 30 angesprochen zu werden oder von hyperaktiven Ossis, die wild gestikulierend versuchen die sterblichen Überreste des Kommunismus in einer selbst bemalten Urne durch den Sicherheitscheck zu bekommen, als Landsleute erkannt zu werden, alles plötzlich das fünffache von dem kostet was es in jedem anderen Land kostet. Zurück nach Madrid. Nach einiger Zeit der völligen Verunsicherung über den momentanen Aufenthaltsort kehrt dann doch spätestens wenn man sein eigenes Gepäck in Empfang nehmen kann eine gewisse Zufriedenheit darüber ein, dass man trotz des völlig überteuerten Aufenthalts in Zürich letztendlich doch wieder alles richtig gemacht hat. Da stehen wir nun also in Madrid, bereits an die widrigen Umstände gewöhnt und versuchen den Flughafen zu verlassen. Allerdings kehrt anstatt überschwenglicher Freude über das Geschaffte schnell Ernüchterung über den Zustand des Daseins viel zu vieler Südamerikaner ein. Scheinbar hatten die Architekten des Flughafens bzw. des Auschekterminals das Problem frühzeitig erkannt und wohl auch beabsichtigt dem entgegen zu wirken und deswegen verschieden Ausgänge konzipiert. Extra, enorm übersichtlich und deutlich und in sämtlichen Sprachen ausgeschilderte Ausgänge für Bürger der EU, für Europäer aus Nicht-EU-Staaten, für Bürger aus Süd- und Mittelamerika und für den Rest der Welt. So weit so gut. Nur kann das beste System nicht funktionieren, wenn der Mensch nicht mitspielt, und der menschliche Verstand hat an diesem Tag bei einigen nicht mitgespielt. Vorzugsweise bei fast allen Süd- und Mittelamerikanern. Was dazu führt dass exakt vor dem Ausgang für EU-Bürger sich eine schier endlose Schlange von südamerikanisch und mexikanisch aussehenden Menschen samt deren Familien inklusive kompletten Hausbestand bildet, die allesamt wie wild geworden mit wahrscheinlich selbst vervielfältigten Visen, auf den normalerweise notorisch unterbeschäftigten Beamtenlehrling einreden, der sonst ausschließlich zuständig ist für Bürger aus EU Staaten, denen man einfach auf die Titten oder in die Visage schaut und dann freundlich aber bestimmt durchwinkt.

Was machen diese Gauchos denn alle in unserer Schlange?“, frage ich Eric bereits mit einem Hauch von Skepsis, der gerade seinen Pass zückt und ihn wahllos in die Menge zeigt.

Scheiss Hobbyeuropäer, können doch alle nicht lesen.“ ist seine Antwort auf allzu große Ignoranz der breiten Masse.

In solchen Momenten kommt eine Art Wut in einem auf, die ganz stark in Richtung außereuropäischen Fremdenhass tendiert. Gut, die zwei verzottelten Kiffer, die mit uns die einzigen Europäer in der Schlange schienen und die den Aufenthalt in Zürich wohl eher nicht mit völlig überteuertem Bier verbracht haben, standen zwar verwirrt aber noch sehr relaxt und unbeeindruckt herum. Unsereins jedoch beschloss sich das soeben verloren gegangene Privileg eines EU Passes Schritt für Schritt zurück zu erobern.

Perdon….ja…you are wrong here…..can you read this ?…..Bun..des..re..pu..blik Deutschland….! Gracias…“

Allerdings ein hoffnungsloses Unterfangen, denn spätestens als ein dunkler, langhaariger, in Schwarz gekleideter Mann mit Hut seinen Koffer abstellte und seinen im Arm haltenden Sohnemann seiner Frau übergab war Schluss mit der Rückeroberung. Es folgte ein kurzer, aber lauter Kommentar mit klar verständlicher Körperhaltung dazu, dessen Inhalt allein durch seine internationale Mimik und Betonung zu verstehen war. Schon waren mindestens zwei von den fünf gewonnen Metern wieder dahin. Ich bin nicht sicher was die zwei Kiffer, die ebenfalls schockiert allerdings noch weiter hinten stehend, befürchtet haben, jedoch waren wir uns sicher, dass im Falle einer Gruppenschlägerei auf diese zwei kein Verlass gewesen wäre. Die Situation war zwar überwiegend und recht einseitig geklärt, jedoch ließ der EU-Ausländer uns von da ab nicht mehr aus den Augen und wartete nur darauf dass einer noch einmal die Grenze seines persönlichen bzw. familiären Intimbereichs übertritt. Mir schwebten die nächsten 20 Minuten die bekanntesten Duellszenen aus diversen Spagettiwestern im Kopf herum, und zwar im schnellen Schnitt zwischen Gesichtern, Händen und Pistolen, untermalt mit der typischen Musik. Am Ende stirbt immer der zu erst, der als erstes zuckt.

Es gibt Tage an denen verspeist man den Bären, und Tage, an denen wird man eben vom Bären verspeist.“ flüstert es von irgendwo her. Ich blicke fragend zu Eric hinüber, der selbst verunsichert scheint, ob diese tiefsinnigen Worte seinem Gemüt entsprangen oder aus der Tiefe des Raumes. Also stillgestanden und gekuscht. Keinen Stress am Flughafen provozieren, ohne festen Wohnsitz, auch nicht als EU Bürger. Endlich angekommen am Schalter geht alles sehr zügig. Der mittlerweile mit Verstärkung versehene Beamte schien direkt glücklich darüber zu sein diesmal kein schlecht kopiertes verknittertes DIN A 4 Blatt als offizielles Visum entziffern zu müssen und winkt sichtbar erleichtert und zufrieden durch. Wahnsinn, da ist es wieder das Privileg EU Bürger. Nichts wie raus aus dem Laden und bloß nicht nochmal dem Mexikaner und seinen Kumpels über den Weg laufen.

Dondé esta la salida?

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